In 140 Tagen um die Welt Teil 2

 
22Juli
2013

Ost, Nord, Nordwest

Südafrika ist ein Mekka für Vogelbeobachter

Eine Anmerkung gleich zu Beginn: Dies hier ist der zweite Teil meiner Weltreise. Den Großteil der schon vorhandenen Berichte könnt ihr unter folgender Adresse finden:

http://einmal-um-die-welt.auslandsblog.de/

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Nach Durban war es eine ganz schön lange Fahrt. Nun ja, man glaubt ja immer gar nicht, wie groß Südafrika ist, aber spätestens, wenn man etwas davon wirklich sehen will, dann hat man schon längere Strecken vor sich. Trotz allem ist es nichts verglichen mit Australien. ;)

Unser erster Anlaufpunkt war der Flughafen, weil es dort eine Zweigstelle von Thrifty gibt. Dort haben wir wieder einmal gelernt, dass Schnelligkeit nicht unbedingt zu den Eigenschaften von Südafrikanern gehört. Nach einer halben Stunde, in der sich auch der Chef des Laufburschen gefragt hat, wo der denn nun bleibt, war klar, dass wir unser Ersatzrad bekommen würden. Nett wie sie waren, haben sie es auch gleich wieder unter dem Wagen verstaut – natürlich erst nachdem sieben Leute darüber philosophiert haben, ob das Rad denn jetzt auch das Richtige ist oder nicht. Es wäre ja auch zu einfach gewesen, uns gleich selbst in die hauseigene Werkstatt fahren zu lassen. Nein, es muss der Monteur samt Rad gebracht werden.

Nach dieser netten kleinen Episode haben wir uns im Chaos, das sich Großstadt Durban nennt, auf die Suche nach einem Hostel gemacht. Wir hatten ein paar auf der Liste, von denen wir eines nicht mal gefunden haben, das zweite von außen recht zweifelhaft aussah und das dritte der Volltreffer am Strand war. Ich weiß nicht, ob ich schon erwähnt habe, dass Internet in Südafrika ein bisschen Glückssache ist. Selbst wenn man Zugang dazu haben sollte, so kann man sich darauf verlassen, dass in den üblichen Suchmaschinen für Hostels nicht unbedingt besonders viele zu finden sind. Die meisten haben maximal ihre eigene Homepage, wenn überhaupt. Da zum Glück bekannt ist, dass es auch viele ausländische Rucksacktouristen in Südafrika gibt, haben sich einige Leute die Mühe gemacht, ein kostenloses kleines Taschenbuch heraus zu bringen, welches regelmäßig aktualisiert wird und in jedem Hostel zu haben ist: das Coast to Coast. Jeder sollte seine Kopie davon haben, denn ohne es ist man aufgeschmissen. Selbst mit kann man aber auch noch in Probleme geraten. So wie wir eben in Durban, wenn man selbst mit unserem Navi Mrs. Garmin das Hostel, welches unglaublich toll beschrieben war, nicht finden kann.

Letztlich sind wir im Anstey's Beach Backpackers untergekommen, was ein bisschen außerhalb liegt, dafür aber den Strand praktisch vor der Tür hat.

Unser nächster Tag hatte das einzige Ziel, wieder aus Durban zu verschwinden. Trotzdem hatten wir uns vorgenommen, doch mal den Victoria Street Market anzuschauen. Daraus wurde nur zum Teil etwas, da uns nicht ganz klar war, dass es sich hierbei um ein ganzes Viertel handelt und es dort nur so von Menschen wimmelt. Die Einfahrt zum bewachten Parkhaus zu finden, ist auch ein Abenteuer und wir haben es natürlich erst gesehen, als wir schon wieder vorbei gefahren waren. Parkplätze außerhalb des Parkhauses gab es wohl auch, aber da der Busbahnhof direkt daneben ist, ist es sicherlich fraglich, ob man seinen Mietwagen dort wirklich unbeaufsichtigt stehen lassen will. Wir haben uns dagegen entschieden und sind nach Norden gefahren.

Kleinere Umwege brachten uns dann nach St. Lucia, ein Touristennest, in dem es nicht viel mehr als Hotels und eine Hand voll Restaurants gibt. Unsere Unterkunft fanden wir wieder nach dem Prinzip der Suche direkt vor Ort, da weder unser Coast to Coast noch das Internet besonders hilfreich in dieser Hinsicht waren. Das gilt jedoch für die gesamte Region knapp südlich und südwestlich von Swaziland. Wir fanden in der Shonalanga Lodge ein Dach über dem Kopf für die nächsten zwei Tage und in der Dame am Empfang auch jemanden Engagiertes, der uns all unsere Touren organisierte und unermüdlich Fragen beantwortete. St. Lucia (irgendwie können sich die Leute nicht entscheiden, ob sie es nun Englisch Saint Lucia oder Portugiesisch Santa Lucia aussprechen wollen) ist prinzipiell ein idealer Ort, um sich den iSimangaliso-Wetland-Park anzuschauen. Hier gibt es vor allem unglaublich viele Nilpferde und Krokodile. Auch der ein oder andere Elefant soll hin und wieder vorbei kommen. Ein Besuch in St. Lucia ist jedenfalls nicht vollständig, wenn man nicht eine Runde mit dem Boot auf dem Fluss gefahren ist, der die Insel, auf der der Ort liegt, vom Festland trennt.

Im iSimangaliso-Wetland-Park Die Hauptattraktion des Parks: Hippos Und man kommt echt nah heran Man beachte den verächtlichen Blick, den schon das Junge perfekt beherrscht Ja, Krokodile gibt es natürlich auch Noch ein letzter Blick auf die Mangroven am Ufer

Weiterhin liegt das Hluhluwe Umfolozi Game Reserve nur etwa eine Stunde entfernt. Unser Reiseplan sieht auch einen Besuch im Krüger Nationalpark vor, aber wir waren der Meinung, man kann sich auch auf dem Weg mal einen von den kleineren Parks anschauen. Unser Reiseführer in Buchform war in dieser Hinsicht sehr ausführlich. In den meisten Parks kann man zwischen Autosafaris mit dem eigenen fahrbaren Untersatz und geführten Halb- oder Ganztagestouren entscheiden. Wir haben Letzteres gemacht, denn sonst geht mehr Zeit für An- und Abfahrt drauf als für den eigentlichen Park. Es gibt wie immer viele Anbieter solcher Touren und der Preis unterscheidet sich nicht wesentlich. Wir hatten jedoch keine Auswahl, da wir leider einsehen mussten, dass immer noch Schulferien waren und neben den ganzen ausländischen Touristen, die natürlich auch jeden Nationalpark mitnehmen, sehr viele einheimische Touristen unterwegs waren. Unser Veranstalter war Euro Zulu, welche aber sehr gut waren, insbesondere das Auto selbst, da die Seiten des Safariautos mit schiebbaren Glasfenstern versehen waren, was bei Regen und Wind schon recht praktisch sein kann. Und ja, wir hatten natürlich zwei Tage lang Regen, wenn auch nicht die ganze Zeit. Unsere Ausbeute an Tieren, die wir gesehen haben, hielt sich in Grenzen, was aber nichts an der Tatsache ändert, dass man sich über jedes einzelne freut, weil man es zum ersten Mal in freier Wildbahn (oder zumindest so gut wie frei) zu Gesicht bekommen hat. Bei uns umfasste das Impalas, – wer jetzt an schöne Chevys denkt, der hat entweder einen Faible für Autos oder aber gewisse Serien zu oft gesehen ;) – einen Elefanten, ein Nashorn, ein Löwenpärchen und eine ganze Menge Giraffen („giraffic park“ wie unser Guide es treffend beschrieb). Man bekommt neben der Tatsache, dass die Guides einfach jedes Tier auch aus der größten Entfernung benennen können, auch viele Infos zu den Tieren selbst. Eine solche Tour, egal in welchem Park, lohnt sich auf jeden Fall.

Ein Bonus bei unserer Tour war, dass Braai enthalten war. Das ist ein Begriff, der uns zum ersten Mal im Reiseführer begegnete und dann auch sehr schnell in der Realität Südafrikas. Unter einem Braai versteht man nichts anderes als Grillen beziehungsweise BBQ. Wenn ich vorher geglaubt hatte, dass die Thüringer hier Rekordhalter waren, so kann ich jetzt zumindest sagen, dass die Südafrikaner dem in nichts nachstehen. Und da wird nicht etwa ein lausiges Brätel auf den Grill gehauen, nein, da landet das Steak drauf. „Gebraait“ werden kann übrigens immer und überall. So gut wie jeder Picknickplatz hat einen oder mehrere fest installierte Grills. Und die Südafrikaner nutzen das auch bei jeder Gelegenheit. Beeindruckend.

Viel witziger wird es dann natürlich, wenn der eigene Bruder unerwartet die Ehre erhält, doch mal bitte auf die Steaks und ein bisschen seltsam aussehenden, aber umso besser schmeckenden Würste aufzupassen. Ich würde sagen, er hat seine Aufgabe gut gemeistert, aber das Grillen liegt ja bekanntlich im Blut. :)

Unser erstes Zebra! Die ersten Antilopen: Tiefland-Njalas Ein Breitmaulnashorn Ein Löwenpärchen! Die zwei hatten eine andere Planung für den Tag als von Touristen beobachtet zu werden. ;) Braaimeister Robert

Nach zwei Tagen in St. Lucia ging es weiter Richtung Krüger Nationalpark. Da die Strecke aber doch recht lang ist, hatten wir beschlossen, zwischendurch noch einen Stopp einzulegen. Die Karte verriet uns, dass Pongola ein guter Ort zum Übernachten sein sollte. Das Internet (ja, das Coast to Coast hatte zu dieser Region schlicht und einfach gar keine Meinung mehr) spuckte auch einige Guest Houses aus, die ich hier mal mit Pension übersetzen will. Erstaunlicherweise liefen wir hier schon in das Problem, dass das ein oder andere auf unserer Liste ausgebucht war. Wir waren überrascht, aber offensichtlich kamen wir langsam in die beliebteren Reisegebiete.

Trotz allem fanden wir eine sehr nette Unterkunft und zwar im The Guest House Pongola, welches unglaublich schick eingerichtet ist. Ja, der Preis schraubt sich, je näher man an den Krüger Nationalpark kommt, immer weiter in die Höhe, aber verglichen mit Australien ist das alles immer noch verhältnismäßig billig. Internet war auch hier wieder ein Problem, aber das überraschte uns langsam nicht mehr. Wir waren es gewöhnt. Netterweise hat uns die Inhaberin ihren Privatcomputer nutzen lassen.

Wir waren also in Pongola, einem Ort, von dem keiner von uns beiden vorher schon mal etwas gehört hatte. Ich bin auch immer noch der Meinung, dass man das nicht haben muss, aber zumindest an Unterkünften mangelt es nicht. Praktisch ist auch die Tatsache, dass das Ithala Game Reserve nur eine Stunde davon entfernt liegt. Wir waren der Meinung, dass wir mittlerweile wieder halbwegs in unserer Zeitplanung lagen, und zwei Nächte an einem Ort wieder nicht verkehrt wären, wenn man dafür sogar einmal testen kann, wie es ist, mit dem eigenen Auto auf Safari zu gehen. Wir haben schließlich nicht ohne Grund unser kleines Monster von einem Auto gemietet. Gut, ein Grund war sicherlich, dass wir den Straßenverhältnissen in Südafrika nicht getraut haben. Mittlerweile sind wir ja eines Besseren belehrt worden und wissen, dass zumindest außerhalb der Nationalparks das Standardtouristenauto (Toyota Yaris) vollkommen ausreicht.

Zurück zum Ithala Game Reserve, einem recht kleinen Park, der aber ganz nett ist, wenn man eh in der Nähe ist. Viel gesehen haben wir nicht. Die Natur war toll und Antilopen, insbesondere Impalas gab es zu hauf, genauso wie Giraffen. Sonst war die Ausbeute jedoch recht mager. Mehrere Strauße haben wir jedoch gesehen. Das war toll, weil wir damit irgendwie so gar nicht gerechnet hatten. Genauso mit der Schildkröte, die gemütlich über die Straße lief.

Eine beeindruckende Landschaft soweit das Auge reicht (Ithala Game Reserve) Ein Büffel Gut getarnte Zebras Giraffic Park... Warzenschweine! Pumba! Nicht ganz Galapagosgröße, aber nahe dran Und zu guter letzte ein Straußenpärchen (ein Straß, zwei Sträuße? ;) )

Von Pongola aus ging es nach Hazy View. Am südlichen Rand des Krüger Nationalparks, welcher unser nächstes Ziel sein wird, gibt es einige kleinere Orte und theoretisch viele Unterkünfte, weil es billiger ist außerhalb des Parks zu übernachten als drin. Praktisch haben wir auch hier wieder feststellen müssen, dass die Hauptsaison mitten im Gange zu sein scheint. Wir haben jedenfalls erst im fünften Anlauf eine Unterkunft bekommen, welche aber wirklich toll war: die Gecko Lodge. Witzigerweise gab es hier viele Deutsche und das nicht nur unter den Gästen. Die Inhaberin ist auch eine Auswanderin.

Hazy View an sich bietet rein gar nichts Interessantes, aber das machte nichts. Uns war nur die Lage wichtig, welche wirklich ideal ist. Im Umkreis befinden sich drei verschiedene Tore in den Krüger Nationalpark. Man kann sich also einfach eines davon heraus suchen. In unserem Fall ist das das Numbi Gate, einfach weil es nah dran ist und auch, weil es eines der größeren ist. Damit haben wir dann die Chance direkt am Tor unsere Buchungen für die Camps innerhalb des Parks zu machen, da wir, wie auch schon seit etwa einer Woche, nichts vorgebucht haben. Aber davon beim nächsten Mal mehr.

Hm, kein Widder, aber fast ;)

26Juli
2013

Elefantastischer Krüger

Elephant Crossing inklusive Touristen

Unsere Planung sah vier Nächte im Krüger Nationalpark vor. Soweit die Idee. Die Umsetzung gestaltete sich etwas komplizierter als erwartet. Gut, eigentlich hätten wir durch die vorherigen Schwierigkeiten mit dem Finden von Unterkünften gewarnt sein sollen. Aber nun ja, wie das eben so ist, hinterher ist man immer schlauer. Also als Fazit an dieser Stelle schon: Ja, die Schulferien waren endlich vorbei, aber die Hochsaison für europäische Touristen hat gerade erst begonnen. Sprich, man sollte immer vorbuchen, wenn es um den Krüger Nationalpark geht. Hätte der Reiseführer ja auch mal sagen können.

Aber egal. Wie im letzten Beitrag schon angedeutet, haben wir den Park über das Numbi Gate erreicht. Hier wurden wir dann auch von einer unglaublich netten Dame betreut, die ihr Möglichstes getan hat, um uns Unterkünfte zu beschaffen. Wie schon gesagt, ein Unterfangen, was sich als aufwendig heraus stellte. Für die erste Nacht erhielten wir einen Bungalow in Lower Sabie. Da wollten wir auch tatsächlich hin, nur wären wir gern zwei Nächte geblieben. Das war nicht drin und unsere einzige Option für die nächste Nacht war Pretoriuskop. Wer jetzt mal die Karte vom Krüger zur Hand nimmt, der wird sehen, dass dieses Camp keine halbe Stunde vom Numbi Gate entfernt ist. Sprich, einmal durch den kompletten Süden des Parks am Tag eins und über andere Wege zurück zum Ausgangspunkt am Tag zwei. Hätte schlimmer sein können. Nämlich zum Beispiel wie Tag drei. Alle Bemühungen unserer lieben Helferin scheiterten an ausgebuchten Camps und so gab es für unsere dritte Nacht nur genau eine Option: Satara, was knapp 200km von Pretoriuskop entfernt liegt. Auch die vierte Nacht wurde uns im Endeffekt vorgegeben, da es wie schon in Lower Sabie auch in Satara nur Unterkunft für eine Nacht gab. Wir durften also auch für die letzte Nacht im Park noch mal den Standort wechseln und zwar ins Olifants.

Nun ja, es war ja auch ein bisschen unsere eigene Schuld, weil wir nichts vorgebucht hatten, aber wer konnte denn ahnen, dass es so arg kommen würde. Trotzdem waren diese ersten anderthalb Tage wirklich schön. Am Anfang hält man auch noch für jede Herde Impalas an, weil man denkt, dass die wirklich toll sind. Es dauert jedoch nicht lange, bis man begreift, dass es von diesen Tieren so viele gibt, dass man sie gefühlt alle 5 Meter vor die Linse bekommen kann. Auch Zebras, Kudus, Giraffen und Elefanten gehören in diese Kategorie. Ja, richtig gelesen, auch Elefanten. Es ist schon erstaunlich, wie viele es von den Dickhäutern gibt und wie oft sie einem den Gefallen tun, entweder über die Straße zu laufen oder wenigstens irgendwo herum zu stehen. Letzteres ist dann schon wieder ein bisschen fies. Ein Elefant, der sich nicht bewegt, kann leicht übersehen werden. Klingt verrückt, weil die bekanntlich irre groß sind, aber trotzdem kann man sie ganz leicht übersehen. Man merkt das spätestens dann, wenn man wieder einmal Touristenregel Nummer eins beachtet: Wenn irgendwo ein Auto steht, sollte man auch anhalten und schauen, was es denn zu sehen gibt. Wenn man nichts sieht: fragen.

Sprich, man fährt ein bisschen langsamer und schaut, was es vielleicht zu sehen gibt. Es ist schon witzig, wenn man den Elefant erst beim dritten Anlauf sieht, auch wenn er keine fünf Meter vom Auto entfernt ist. Ich schwöre, die könnten auch rosa sein und man würde sie trotzdem übersehen können.

Prinzipiell übersieht man aber sicherlich über zwei Drittel aller Tiere, die im Park unterwegs sind. Gemein ist das bei den großen Fünf, denn die will eigentlich jeder gern gesehen haben. Dazu gehören Elefant, Nashorn, Büffel, Löwe und Leopard. Das scheint eine recht wahllose Sammlung zu sein, denn spätestens Nilpferde und Geparden würden ganz gut noch rein passen, aber die fünf Tierarten stammen noch aus der Zeit der Großwildjäger. Die großen Fünf sind die, die die besten Trophäen abgeben.

Die Großkatzen sind jedoch bedeutend interessanter, wenn man sie denn mal zu Gesicht bekommt. Wir hatten gleich am ersten Tag das Glück ein paar Löwen zu sehen, die sich auf Steinen im Fluss sonnten. Keine hundert Meter weiter lag dann auch der faule Leopard herum.

Kleine neugierige Geschöpfe am Straßenrand Leoparden fressen auf Bäumen - wer findet die tote Impala? Wasserböcke Das McDonalds des Buschs: Impalas - sie haben sogar ein M auf dem Hinterteil Der erste richtige Überblick über den Krüger Nationalpark Endlich! Ein Bild von unserem kleinen Moster :) Kuschelnde Giraffen Eine Herde von knapp 30 Elefanten - irre! Hier ein paar mehr Vertreter der Herde Ein Meerkatzenjunges Hippos und das außerhalb des Wassers! Impalas, Hippos und Krokodile

Nun ja, im Krüger gibt es strenge Regeln, an die man sich halten muss, insbesondere was die Zeiten außerhalb der Camps angeht. Ich will nicht wissen, wie viel man bezahlen darf, wenn man es denn nicht vor Toresschluss schafft, anzukommen. Die Tore der Camps und auch des Parks sind grundsätzlich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet. Es gilt ein Nachtfahrverbot. Wer also doch mal in der Dämmerung auf Schnappschussjagd gehen möchte, der muss sich den Touren in den Camps anschließen. Die sind aber, wie in allen anderen Parks auch, wirklich gut. Die Guides haben Ahnung von dem, was sie da tun. Wir wollten gern eine solche Tour mitmachen, aber wie wir schon am Numbi Gate lernen mussten, war der Krüger rettungslos überfüllt. Folglich waren auch diese Touren häufig ausgebucht.

Wir hatten also auch in der Hinsicht wenig Glück am ersten Tag. Wir entschieden uns dann für die Sonnenaufgangswanderung. Es ist doch etwas anderes, wenn man schön sicher in seinem Auto sitzt und sehr gut gepflegte Straßen entlang fährt, als wenn man zu Fuß mit zwei mit Gewehren ausgestatteten Guides unterwegs ist. Abgesehen davon war die Belehrung gewöhnungsbedürftig, denn eigentlich hätte man gern gelacht. Reden ist so gut wie verboten, Verweise auf Tiere, die man sieht, macht man per Klopfzeichen, wenn Gefahr im Verzug ist, schreit man und bleibt dann wo man ist, bis man etwas anderes gesagt bekommt. Und das hat man gefälligst auch zu tun, egal was da kommt. Wenn man später dann erzählt bekommt, dass zweimal in der Woche zuvor eine Nashornmutti die Gruppe im Visier hatte, wird einem schon anders. Insbesondere, wenn man selbst keine hundert Meter von der Dame mit ihrem Kalb entfernt steht.

Prinzipiell sieht man aber zu Fuß weniger Tiere als vom Auto aus. Das hat den einfachen Grund, dass die Tiere die Autos und ihre Geräusche gewohnt sind. Sie wissen auch, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. Hinzu kommt, dass sie den Geruch kennen, den ein Auto typischerweise hat. Zu Fuß sieht das Ganze schon wieder anders aus. Hier hat jedes der menschlichen Tierchen einen anderen Geruch und so mancher männlicher Kollege auf vier Beinen könnte sich in seinem Herrschaftsbereich verletzt fühlen, wenn man ihm zu nah kommt. Sprich, alles, was neu an Gerüchen kommt, wird erst einmal grundsätzlich gemieden.

Es lohnt sich trotzdem, denn es ist etwas ganz anderes, sich wilde Tiere aus der Sicherheit seines fahrenden Käfigs anzuschauen. Auf Augenhöhe wird es schon fast zum Nervenkitzel, selbst wenn man gar nicht so viel zu Gesicht bekommt.

Sonnenaufgang über dem Krüger Nationalpark Mit Tau benetzte Spinnenweben Einer von 2 bewaffneten Guides Nashorndame mit Kalb Auf Augenhöhe mit der Landschaft

Nach unserer morgendlichen Tour ging es weiter in Richtung des nächsten Camps, also wieder Richtung Numbi Gate. Wir haben dieses Mal sogar die Schotterstraßen genutzt. Man staunt nicht schlecht, wie der ein oder andere Tourist seinen Mietwagen behandelt. Ja, die Straßen sind in wunderbarem Zustand, aber trotzdem. Selbst mit unserem kleinen Monster waren wir zum Teil vorsichtiger unterwegs.

Am späten Nachmittag hatten wir unser Reiseziel des Tages erreicht. Damit endete dann auch der gute Teil dieses Tages. Innerhalb von zwei Stunden legte es erst meinen Bruder und dann mich lahm. Etwas an unserem Mittagessen war nicht ganz in Ordnung gewesen und wir hatten eine recht anstrengende Nacht als Folge. Das ist dann der Moment, wo man sich die richtigen Medikamente wünscht und feststellen muss, das gerade die nicht da sind. Aber nun ja, ein bisschen WHO-Lösung hilft ja auch schon – entweder beim Verschlechtern des Zustandes (es lebe Salz bei Übelkeit!) oder später auch beim Verbessern.

Der nächste Tag war dann also auch nicht so der entspannteste. Erstmal hieß es einen Toaster finden (gehört leider nicht zur Standardausstattung), denn labbriger Toast hilft gar nichts, wenn einem immer noch schlecht ist. Zum Glück sind die Angestellten auch hier wieder unglaublich nett gewesen. Nun ja, mir ging es zu dem Zeitpunkt wieder blendend, Robert jedoch nicht. Also war ich diejenige, die die etwa 200km am Steuer verbringen durfte. Letztlich war das jedoch ganz gut so, denn so konnte mein Bruder noch ein bisschen ausruhen und später dann alle möglichen Tiere erspähen, die ich mit Sicherheit übersehen hätte. Es gesellten sich Schabracken-Schakale und auch Kronenducker in unsere Sammlung. Ach ja, und natürlich noch ein ganz interessantes, wenn auch unerwartetes Tier: Es hat drei Beine und ist aus Metall. Oben drauf befindet sich ein kleiner Kasten und bei bestimmten Situationen blitzt es dann rot auf. :)

Ein Nashorn ganz aus der Nähe Und gleich nebenan eine ganze Herde davon Eine Elefantenfamilie beim Baden Ja, da ist ein Elefant versteckt Nämlich genau der freche hier

Man beachte, im Krüger ist maximal 50km/h erlaubt auf Asphaltstraßen und nur 40km/h auf Schotter. Prinzipiell glaubt man, dass man schneller fahren kann, aber man lernt schnell, dass man dann keine Tiere finden wird. Klar, alles, was sich nicht bewegt, sieht man eh nicht (bestes Beispiel ist erstaunlicherweise der Elefant), aber je schneller man vorbei gefahren ist, desto weniger hat man auch den Löwen oder den Schakal gesehen. Abgesehen davon hatten wir die Ehre dann einen echten Blitzer zu finden. Gut, dass ich immer schön vorschriftsmäßig gefahren bin.

Ich hab es mir natürlich nicht nehmen lassen, noch mal umzudrehen und den netten Herrn hinter der Hecke um ein Foto zu bitten. :)

Der Herrn vom Blitzdienst :)

Letztlich waren Robert und ich sehr froh nach über acht Stunden im Auto endlich im Olifants Camp anzukommen. Dennoch haben wir uns noch einer Nachtsafari angeschlossen, bei der aber außer einigen Antilopen nur Springhasen und jede Menge Kaninchen gesichtet wurden.

Der nächste Tag hatte dann endlich eine kürzere Strecke für uns in petto. Es ging ins Letaba Camp und wir waren dankbar und genossen es, nicht unter Zeitdruck zu stehen. Hinzu kam, dass es uns auch gesundheitlich wieder bedeutet besser ging.

Die Landschaften sind wirklich beeindruckend Kronenduckermama mit Jungem Selbst Giraffen sind erstaunlich gut getarnt Wenn man den Hippos davon schwimmen konnte, holen einen die Krokodile... Wer braucht schon Wasser, wenn er eine Sanddusche haben kann? Büffel! Und auch die gibt es in großen Herden, wenn auch recht selten

Dadurch, dass wir relativ früh für unsere Verhältnisse ankamen, hatten wir auch die Chance, uns doch mal einer vom Camp aus organisierten Safari anzuschließen. Wir entschieden uns für die Sonnenuntergangsfahrt, weil wir damit gute Chancen auf die Tiere hatten, die wir bis dahin noch nicht zu Gesicht bekommen hatten.

Los ging es gleich mit mehreren Löwen. Hinzu gesellten sich Leoparden, Hyänen (so ein Hyänenwelpenhaufen im Dickicht ist unglaublich niedlich) und einige Antilopen. Der Spaß an solchen Fahrten kommt eigentlich wirklich dadurch, dass einige der Passagiere im Auto einen Scheinwerfer in die Hand bekommen und selbst damit die Straßenränder und das Hinterland ableuchten dürfen. Sobald man etwas sieht, muss man sich bemerkbar machen. Mein Bruder war einer von denen, die diese Ehre hatten, und es ist schon erstaunlich, was für ein gutes Auge er hat. Einer der Leoparden geht auf sein Konto.

Abgesehen davon, dass es früh und abends unglaublich kalt wird, sind die Fahrten zu diesen Zeiten toll. Glücklicherweise werden auch Decken zur Verfügung gestellt. Trotzdem sollte man sich warm anziehen. Manchmal braucht man aber auch gar nicht wirklich aus dem Camp hinaus, weil sich die Tiere entweder bis rein trauen (Impalas) oder aber außen herum ihre Runden drehen (Leoparden oder auch Hyänen).

Sonnenuntergang im Krüger Nationalpark Ein Löwe!!! Wer sieht die Hyänenwelpen? Ein Leopard gleich vor dem Tor des Camps

Nach dieser letzten Nacht war unsere kleine Rundreise durch den Krüger Nationalpark dann auch schon wieder vorbei. Wir nutzen den nächsten Tag, um noch eine schöne Runde durch den Park zu fahren und ihn letztlich durch das Phalaborwa Gate zu verlassen. Von dort aus hatten wir noch einige Stunden vor uns, da unser nächstes Reiseziel Graskop war. Aber davon beim nächsten Mal mehr. :)

Ein letzter Elefant, der gemächlich die Straße vor unserem Auto überquert

29Juli
2013

Blyde River Canyon

Ausblick in den Blyde River Canyon

Wie im letzten Beitrag schon angedeutet, begaben wir uns nach Graskop. Auch dieses Städtchen gehört zu denen, die wir vorher nicht kannten. Der einzige Grund, aus dem wir uns dort einfanden, ist die Tatsache, dass es an einem Ende des Blyde River Canyons liegt und dass das Coast to Coast hier ein paar Vorschläge zu Unterkünften hatte. Damit haben wir uns in die sogenannte Panorama Region begeben, welche den östlichen Teil der Drakensberge und das sich anschließende Flachland (Lowveld) umfasst.

Den Blyde River Canyon hatten wir uns bei unseren Recherchen als Zwischenziel auf der Rückfahrt nach Johannesburg ausgesucht, weil die Bilder, die wir dazu fanden, absolut toll waren. Die nähere Suche zu Wanderwegen ging in zwei sehr verschiedene Richtungen. Zum einen fanden wir schlicht und einfach gar nichts außer der Andeutung, dass es in einem Resort wohl die Möglichkeit dazu gäbe. Zum anderen mussten wir feststellen, dass die Auswahl an Tageswanderungen tatsächlich übersichtlich ist, es aber in etwa ebenso viele Mehrtagestouren gibt.

Wenn man sich den Blyde River Canyon auf der Karte anschaut, so stellt man fest, dass er nicht so unglaublich lang ist. Mit seinen gerade mal 26km ist er trotzdem der drittgrößte Canyon der Welt (nach dem Grand Canyon, USA, und dem Fish River Canyon, Namibia). Die Hauptattraktionen sind Aussichtspunkte, die sich entlang des Canyons verteilen, und deren größte Ansammlung kurz vor Graskop liegt.

Folglich haben wir unsere Unterkunft vom Standort her ganz gut gewählt. Ausgesucht haben wir uns letztlich das Graskop Valley View Backpackers. Wir hatten sogar Glück noch ein Zimmer zu bekommen. Es dauerte keine halbe Stunde, und die nächsten Backpacker wurden reihenweise wieder weggeschickt. Schon erstaunlich. Insgesamt ist es ein niedliches Hostel, in dem es jedoch zur Abwechslung mal funktionierendes Wifi gab. Im Krüger Nationalpark hatten wir so etwas gar nicht, was aber nicht verwundert, wenn man sich in die Wildnis begibt. Trotzdem ist es hin und wieder ganz nett, wenn man doch mal nach E-mails schauen oder die nächsten Reiseziele recherchieren kann. In Bezug auf Informationen zur Region ist das Valley View wirklich gut. Hier wurde sich sogar die Mühe gemacht, einen gesamten Ordner mit Wanderungen und anderen Tagesaktivitäten zusammenzustellen. In etwa die Hälfte davon kann man auch auf eigene Faust machen. Die Beschreibungen sind in dieser Hinsicht wirklich gut. Selbst sämtliche Eintrittspreise für die Aussichtspunkte sind enthalten, auch wenn sie nicht mehr ganz aktuell waren. Der einzig richtig große Nachteil des Hostels waren die Matratzen. Unbequem und durchgelegen ist noch geschmeichelt. Aber wer weiß, wie es bei einem nächsten Besuch aussähe, denn man konnte entsprechende Beschwerden auch gleich an die Chefin weiterleiten, welche postwendend beschloss, die nächste Nacht selbst dort zu schlafen um es zu testen. :) Abgesehen davon war es schweinekalt, denn Heizungen sind nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Wie dankbar war ich für dicke Socken und unsere Kuscheldecke, auch wenn das alles erst so richtig in der zweiten Nacht geholfen hat.

Den ersten Tag haben wir folglich mit einigen kleineren Wanderungen verbracht. Los ging es fast am anderen Ende des Canyons, genauer im Forever Resort. Hier muss man sich anmelden und bekommt dann eine kleine Karte. Ganz maßstäblich ist sie nicht, denn nicht nur wir hatten ein paar Probleme zu entscheiden, ob wir an der ein oder anderen Stelle richtig waren, aber mit ein bisschen Fantasie und einem Gedächtnis für die Zeichen, die die Wege markieren (Vogel ist hier nicht gleich Vogel!), kommt man letztlich doch wieder dort an, wo man hin will. Los ging es für uns von World's End. Von dort folgten wir immer A1. An deren Ende ging es nahtlos in B1 über und entlang dieses Weges auch zurück zum Resort. Hier sahen wir auch das einzige Mal seit zwei Kontinenten eine Schlange, beziehungsweise ihren Schwanz als sie blitzartig in einer Spalte verschwand. Nach etwa drei Stunden waren wir wieder zurück. So schön die Region ist, umso anstrengender war der Weg. Wer eine Abneigung gegen starke Steigungen und unmögliche Stufenhöhen von nicht vorhandenen Treppen hat, dem kann man nur abraten. Die Runde, die wir gelaufen sind, führt einmal in den Canyon rein und logischerweise muss man irgendwann auch wieder raus... Nun ja, wir wussten ja, worauf wir uns eingelassen haben. Da es mir gesundheitlich jedoch nicht ganz so wunderbar ging, empfand ich einige Teile der Wanderung unglaublich anstrengend. Irgendwie hat mein Bruder zwar zwei Tage gebraucht, um unsere kleine Eskapade im Krüger zu überwinden und ich gerade mal eine Nacht, dafür kam es bei mir mit flauem Magen zwei Tage später wieder zurück und blieb hartnäckig bis wir die Panorama Region verließen.

Vom Forever Resort ging es wieder Richtung Graskop. Auf dem Weg entlang der Panorama Route nahmen wir noch zwei Sehenswürdigkeiten mit. Am Vortag hatten wir uns schon die Three Rondavels (die Drei Rundhäuser) angesehen, wie immer kurz vor Ende der Öffnungszeiten, weswegen wir da den Sonnenuntergang mit anschauen konnten. Dieses Mal legten wir einen Stopp bei Bourkes Luck Potholes ein, welche wirklich spektakulär aber überteuert sind. Danach ging es noch zu Berlin Falls, welche sehr schick waren – insbesondere, weil wir schon wieder knapp vor Sonnenuntergang da waren. Hatte ich erwähnt, dass in Südafrika die Sonne einfach herunter fällt?

Die Three Rondavels Der Blyde River im gleichnamigen Canyon Auf dem B1-Wanderweg vom Forever Resort aus Bourkes Luck Potholes Berlin Falls

Für unseren letzten Tag standen dann alle restlichen Touristenattraktionen auf dem Plan. Hierzu zählten bei uns Lisbon Falls, Wonder View und God's Window. Es ist schon irre, wie viele Touristenbusse sich auf den Parkplätzen stapeln können. Und natürlich, wie viele kleine Souvenirstände es geben kann. Nun ja, dafür haben sie die Parkplätze bewacht und man braucht sich keine Sorgen machen, wenn man doch mal ein bisschen die verschiedenen Wege erkundet, um entweder einen besseren Blick auf den Wasserfall zu bekommen oder aber, weil eines der Schilder behauptet, dass es um die Ecke Regenwald geben soll. So schön die Aussichtspunkte auch sind, die Menge an Touristen ist gruselig. Noch irritierender ist es, wenn sich ganze Reisegruppen Deutscher darunter finden. Klar, den ein oder anderen deutschsprachigen Touristen hatten wir vorher auch getroffen, aber die Anzahl war gering. Folglich war es ungewohnt Deutsch als Hauptsprache um sich zu haben, wenn es sonst Zulu, Afrikaans oder Englisch war.

God's Window Lisbon Falls

Danach ging es zum Mittagessen wieder nach Graskop. Aus unerfindlichen Gründen ist das Städtchen für Pancakes bekannt. Hier sind damit jedoch gefüllte Eierkuchen gemeint, die es mit süßen aber auch herzhaften Füllungen gibt. Der Initiator der ganzen Sache ist Harrie's Pancakes. Folglich sind wir auch dort eingekehrt (mit etwa drei Gruppen von Touristen). Fazit dieses Experiments ist, dass die Pancakes wirklich gut sind. Wer sich nicht zur Kette Harrie's Pancakes (es gibt drei oder vier Restaurants davon in Südafrika) begeben will, der kann sich aus sämtlichen anderen Restaurants eines aussuchen. Jedes davon hat seine eigenen Pancakespezialitäten.

Von Graskop aus ging es nach Pilgrim's Rest. Auch das Dörfchen hatten wir erst beim Lesen unseres Footprint Reiseführers gefunden. Es ist ein altes Goldgräberdorf und versucht damit jetzt Touristen anzuziehen. Prinzipiell ist es wirklich niedlich, aber man könnte noch einiges mehr daraus machen. Haken an der gesamten Idee ist der Fakt, dass sie die Touristen selbst gleich wieder verärgern. Wir waren es ja schon gewohnt, dass an vielen Stellen, wo man das Auto parken kann, Leute mit leuchtend gelben Sicherheitswesten herum laufen und ihre Dienste als Aufpasser auf das Auto anbieten. Hier scheint es klare Regeln zu geben, wer so etwas machen darf und für welchen Bereich derjenige zuständig ist. Gerade bei großen Parkplätzen in den Drakensbergen oder auch bei anderen Touristenattraktionen ist das üblich. Die paar Cent hat man meist auch übrig, besonders, wenn man dann erfährt, dass es ohne diese Leute tatsächlich üblich ist, dass einfach mal das gesamte Auto geklaut wird. Abgesehen davon gibt es hier einen Unterschied zwischen Abzocke (ein fester Preis, der rettungslos überhöht ist, wird hinterher verlangt) und dem Normalzustand (es wird erklärt, wer sie sind, dass sie nicht angestellt sind und das sie sich über einen kleinen Betrag freuen, aber sie dürfen keinen verlangen).

So viel also zu Parkplatz- oder Autowächtern. Die gab es auch in Pilgrim's Rest. Die wären ja auch kein Problem gewesen. Was wir nicht wussten, war, dass sich hier die Touristenfänger (von denen wir glücklicherweise verdammt wenigen begegnet sind) auf das Autowaschen spezialisiert haben. Die Schilder, dass praktisch alle Parkplätze gleichzeitig „Autowaschanlagen“ sind, sieht man natürlich auch erst, wenn es schon zu spät ist. In unserem Fall reichte einem der Autowäscher die Zeit, die wir in der Information sowie mit der Buchung unseres Hotels zubrachten (Ja! Tatsächlich! Aber etwas anderes gab es auch nicht. ;) ), unser Auto ungefragt zu waschen. Es war auch wirklich nötig, aber für die Unverfrorenheit (und weil wir die Preistafel erst danach gesehen haben) gab es weniger Geld. Die Rezeptionistin des Hotels gab uns noch einen vorgedruckten Zettel für das Auto, der unter Androhung von Strafe das Autowaschen verbot. Sehr interessant.

Den Rest des Tages verbrachten wir schlafend (ich) oder lesend (mein Bruder) im Hotelzimmer, da es angefangen hatte, zu regnen. Ach ja, wir verbrachten die Nacht im Royal Hotel von Pilgrim's Rest. Mehr Auswahl gab es auch nicht wirklich (eine weitere Unterkunft gibt es wohl) und da wir außerhalb der Saison da waren, hat es nur die Hälfte gekostet und gab es sogar noch kostenlos Frühstück. Das Zimmer war toll, mit Heizung und einer richtigen Badewanne! Ich glaube, das letzte Mal, dass ich eine Badewanne gesehen habe, war in Neukaledonien im Hotel. Es war also ein voller Erfolg, wenn man mal von der Tatsache absieht, dass zwischenzeitlich das Wasser nur noch kalt aus der Leitung kam.

Den nächsten Tag haben wir uns dann die Goldwäscherei am Fluss angeschaut und sind danach weiter Richtung Westen gefahren. Unser Tagesziel war eigentlich Cullinan, worüber ich jedoch das nächste Mal schreiben möchte. Auf dem Weg dorthin hatten wir noch ein kleines Erlebnis, was ich einfach an dieser Stelle erwähnen möchte. Prinzipiell findet man an den Straßen in Südafrika hin und wieder Restaurants. Spätestens in Ortschaften, wo eine Tankstelle ist, geht man nicht leer aus. Irgendetwas Herausragendes findet man jedoch nur, wenn man wagemutig doch mal anhält und einkehrt. Von Außen muss es ja auch nicht so toll aussehen, solange es innen wunderbar ist. Das wussten wir ja schon und man kann sich darauf gut einstellen.

Viel irritierender ist es dann, wenn man in einen Ort kommt, der in keinem Reiseführer erwähnt wird, und es einen einfach aus den Socken haut. Dullstrom ist einer dieser Orte. In unserem Fall auch der einzige dieser Art. Wir wissen immer noch nicht, was an diesem Dorf so besonders ist, aber sämtliche Häuser der Hauptstraße sind entweder neu oder restauriert. Das ein oder andere Wohngebiet sieht auch aus als würde es der sehr reichen Oberschicht gehören. Es gibt zahlreiche Restaurants, Cafés, den ein oder anderen Souvenirladen, eine Fleischerei, eine Käserei, mindestens eine Bäckerei, verschiedene Unterkünfte... Und das alles wie aus dem Bilderbuch. Wer aber gerade Appetit hat, der ist hier eindeutig richtig. Wir hatten uns das Charlie C's ausgesucht, welches wirklich hübsch ist und sehr gutes Essen hat.

Soviel also zu kleinen Überraschungen unterwegs. Wie schon erwähnt, Cullinan ist das nächste Ziel, worüber ich beim nächsten Mal berichten werde.

Blyde River Canyon

02August
2013

Knochen und Diamanten

Perfekt ausgestattet um unter die Erde zu gehen

Von Pilgrim's Rest bis nach Cullinan waren es etwa fünf Stunden Fahrt, da wir parallel zur mautpflichtigen Straße fuhren und damit immer wieder durch Ortschaften kamen. Das scheint der Durchschnitt zu sein, der zwischen unseren Reisezielen liegt. Nun ja, Fahren in Südafrika macht Spaß, weswegen man auch solche Distanzen auf sich nehmen kann. Natürlich wird auf der linken Seite der Straße gefahren. Das war für Robert und mich jedoch nichts Neues mehr, weil wir in Australien mehr als genug Übung bekommen hatten. Auch mit unserem kleinen Monster sind wir sehr gut klar gekommen, auch wenn es anfangs unerwartet schwer war, sich wieder an eine normale Gangschaltung zu gewöhnen. Es ist in etwa so schwer, wie sich an Automatik zu gewöhnen. Während man bei Letzterem unfreiwillig häufiger mal auf der Bremse steht, wenn man eigentlich die nicht vorhandene Kupplung treten will, so vergisst man beim normalen Auto das Schalten hin und wieder ganz. Das führt zu gequälten Motorengeräuschen oder auch mal zum schlichten Kapitulieren (sprich, der Motor geht beleidigt einfach aus).

Nach über drei Wochen in Südafrika mit ein und dem selben Auto sind solche Sachen jedoch schon lange kein Problem mehr. Man kennt alle Macken des fahrbaren Untersatzes und natürlich auch alle Vorzüge. Ein Nachteil unseres Autos war eindeutig, dass es mehr für unwegsames Gelände ausgelegt war. Da hatten wir auch nie Probleme, da man nicht besonders schwungvoll beschleunigen muss. Auf den Highways oder den zum Teil recht neuen Landstraßen sieht das natürlich anders aus. Überholen kann hier zum Abenteuer werden. Oder könnte es zumindest, wenn es nicht wirklich schöne ungeschriebene Regeln für das Miteinander unter den Autofahrern gäbe. Es gibt bei fast allen Straßen einen Standstreifen. Wenn man ein sehr langsames Auto hat, fährt man grundsätzlich dort. Wenn man ein normales Auto hat, wie wir, dann fährt man auf den Randstreifen, wenn ein anderer gern überholen würde. Es ist so also kein Problem bei durchgezogenem Mittelstrich, Gegenverkehr und Null Sicht durch eine Kurve zu überholen. Man ist jedoch darauf angewiesen, dass alle anderen mitdenken. Das funktioniert wunderbar. Und wenn man selbst überholt hat, dann bedankt man sich auch bei demjenigen, der Platz gemacht hat, und zwar mit zweimal Warnblinken. Der kann dann das „Gern geschehen.“ mit einmal Lichthupe kommunizieren. So macht Fahren wirklich Spaß. Ich wünschte, in Deutschland gäbe es solche Regeln.

Wenn wir schon beim Straßenverkehr sind: Zweispuriger Kreisverkehr oder auch Kreuzungen, bei denen einfach alle ein Stoppschild zu beachten haben und der Erste, der kommt fahren darf, egal, ob er links abbiegen will, sind auch eine witzige Erfindung. Beim ersten Mal hatte ich noch Angst, aber es halten sich wirklich alle daran. Keiner fährt einfach drüber oder beschließt, dass der Lkw viel zu langsam ist und er noch vorbei könnte. Das funktioniert übrigens auch bei zweispurigen Straßen.

Jetzt aber genug zum Fahrspaß (Großstädte sind hier übrigens ausgenommen – die sind einfach nur eine sehr unübersichtliche Katastrophe). Eigentlich sollte es ja um Cullinan gehen und warum wir uns dorthin begeben haben. Wer sich vielleicht noch an Graham vom Diamond Diggers erinnert, der weiß, dass er uns einige Tipps zum Thema Reisen gegeben hat. Er hat uns auch von der Cullinan Diamond Mine erzählt und dass man sich diese mit einer Führung anschauen kann. Ein bisschen Recherche hierzu hatte uns dann auch davon überzeugt, dass wir das tun sollten, wenn wir schon mal in der Gegend sind.

Nachdem wir also endlich in Cullinan angekommen waren und uns eine Unterkunft im Cullinan Backpackers (ganz nett, hat ein eigenes kleines Büro für adrenalingespickte Aktivitäten und eingeschränkt funktionierendes Wifi) für die nächsten zwei Tage organisiert hatten, hieß es also sich um die erwähnte Tour zu kümmern. Hier muss man wissen, dass es zwei verschiedene Touren gibt. Die erste ist eine kleine, die nur an der Oberfläche stattfindet, die zweite ist die richtig interessante, weil sie einen bis tief unter die Erde mitnimmt. Hier gibt es zwei Anbieter. Wir waren am nächsten Tag mit Premier Diamond Tours unterwegs.

Im Fahrstuhl (wie in der Sardinenbüchse) 102 Personen maximal? Ich behaupte mal, dass wir ein paar mehr im Fahrstuhl waren. ;) Das Loch, welches die Diamantenmine hinterlässt und welches immer noch wächst

Die Tour war wirklich faszinierend. Anfangs bekommt man per Videopräsentation die Geschichte der Mine erzählt und kann sich ein bisschen im hauseigenen Museum umschauen. Hier sieht man einige der berühmtesten Diamanten – zumindest auf Fotos. Wer sich jetzt fragt, ob man die Cullinan Diamantenmine kennen muss: Wahrscheinlich nein, aber sie hat den größten Rohdiamanten der Welt 1905 zu Tage befördert. Der Cullinan Diamant wurde dann König Edward VII zum 66. Geburtstag überreicht. Witzigerweise wurde dieser Gigant eines Diamanten mit der normalen Post verschickt... Aus dem Cullinan Diamanten entstanden der Große und der Kleine Stern von Afrika. Diese kann man heute im Tower von London als Teil der Kronjuwelen betrachten und zwar einmal als Teil des Zepters (Großer Stern von Afrika) und als Teil der Imperial State Crown. Bis 1985 blieb der Große Stern von Afrika auch der größte geschliffene Diamant der Welt. In dem besagten Jahr wurde ein brauner Diamant ebenfalls in Cullinan gefunden, der ihn ablösen sollte. Der Namenlose Braune erhielt erst über zehn Jahre später seinen derzeitigen Namen und zwar als er zum 50. Jahrestag der Thronbesteigung dem immer noch amtierenden Thailändischen König Bhumibol Adulyadej überreicht wurde: Golden Jubilee Diamond. Heute ist er Teil des Zepters und kann im Königlichen Palast in Bangkok als Teil der Kronjuwelen bewundert werden.

Fazit: Ganz unbedeutend ist die Mine nicht. Die Tour an sich findet hauptsächlich unter Tage statt. Das bedeutet, dass man sich die schönen blauen oder weißen Anzüge anziehen darf, Gummistiefel, einen Helm, eine Grubenlampe und ein Notfallatemset bekommt; inklusive der Sicherheitsinstruktionen per Video versteht sich. Danach geht es auf 763 Meter. Wahnsinn. Und das ganze mit einem Führer, der selbst über 25 Jahre im Bergbau, davon über 15 im Diamantenbergbau tätig war. Man kann also tatsächlich jede nur erdenkliche Frage stellen und bekommt eine richtige Antwort. Abgesehen davon kennt er natürlich unter Tage so viele Leute, dass er es auch möglich machen kann, von den riesigen Maschinen, die sonst nur an einem vorbeifahren, ein Foto zu erhaschen. Es lohnt sich absolut, diese Tour mitzumachen. Wer will kann hinterher natürlich auch einen Diamanten im Laden kaufen und sich gleich fassen lassen. Da wir aber alle keine Millionäre sind, haben wir das dezent unterlassen. ;) Einziger Wermutstropfen: Man ist über fünf Stunden beschäftigt. 10.30 Uhr geht die Untergrundtour los. Wir haben in der ganzen Zeit nichts zu Essen bekommen. Wir waren also komplett verhungert. Da es aber auch keine Toiletten gibt (außer in den Notunterkünften, die nur für echte Notfälle wie Grubenunglücke sind), war das nicht unbedingt verkehrt. Jedenfalls haben wir uns dann auf die Suche nach einem Restaurant gemacht, dass nachmittags geöffnet hat und nicht direkt die Diamantenminentouristen abgreifen will. Gar nicht so leicht, aber am Ende einer Sackgasse fanden wir eine recht neue Pizzeria, die zwar leer war, aber dafür wurden wir direkt vom Eigentümer begrüßt und hatten die volle Aufmerksamkeit der Bedienung.

Den Rest des Tages haben wir versucht herauszubekommen, was man mit zu viel Zeit anfangen kann. Ganz recht. Wir hatten in unserer Planung plötzlich einen Tag zu viel. Zu einem wirklichen Ergebnis sind wir letztlich nicht gekommen, denn entweder war alles unglaublich weit weg, in der falschen Richtung oder aber in Johannesburg selbst. In das Chaos wollten wir uns aber nicht noch einmal stürzen. Folglich haben wir uns am folgenden Tag einfach zu unserem nächsten Wegpunkt begeben, genauer nach Krugersdorp. Nein, den Ort muss man auch nicht kennen, aber es ist einer von denen, die in kurzer Distanz zur Wiege der Menschheit liegen. Nach einigem Suchen nach Unterkunft, haben wir uns für das African Sky Guesthouse entschieden. Das ist ganz nett, zumindest von den Zimmern her, aber irgendwie war es trotzdem ein bisschen komisch. Nun ja, einen sicheren Stellplatz (wir waren im Großraum Pretoria und Johannesburg, da braucht man so etwas auf jeden Fall) für unser Auto hatte es jedenfalls und auch Wifi. Das musste reichen. Und uns wurde sogar der mitgebrachte Rest des Essens aus Cullinan aufgewärmt.

Da wir „viel“ zu früh dort ankamen, brauchten wir noch eine Beschäftigung. Ein sehr guter Tipp der Inhaberin unserer Unterkunft war der Walter Sisulu National Botanical Garden. Der ist riesig und wirklich schön. Man kann sich dort also auch länger aufhalten, wenn man das möchte.

Im Walter Sisulu National Botanical Garden Ein weiterer Teil des Botanischen Gartens

Auf dem Rückweg haben wir dann den Parkplatzwächter ein Stück weit mitgenommen. Hier haben wir wieder einmal feststellen können, dass es genügend Leute gibt, die einfach um jeden Preis arbeiten wollen. Sein Arbeitsweg beträgt eine Stunde pro Richtung und er muss dafür jeweils zwei Taxis nutzen, weil keine Busse fahren. Damit geht erstaunlich viel Geld von dem, was er eventuell verdient, drauf. Manchmal ist es auch ein Minusgeschäft, aber trotzdem macht er es und ist stolz darauf, überhaupt Arbeit zu haben. Wir haben ihm unser restliches Brennholz (welches wir seit Giant's Castle mit uns spazieren gefahren haben) vermacht, weil wir eh nichts mehr damit anfangen konnten.

Am nächsten Tag haben wir uns die Wiege der Menschheit angesehen. Oder besser, einen Teil davon, denn wie wir auch erst vor Ort festgestellt haben, ist die Wiege der Menschheit der Begriff für ein ziemlich großes Gebiet. Die Hauptattraktionen haben wir uns aber anschauen können. Hierzu gehört ein riesiges Museum namens Maropeng sowie die Sterkfontein Caves. In die Sterkfontein Höhlen kommt man nur mit einer Führung. Das Museum kann man sich auch ohne eine Führung anschauen, aber eigentlich ist es gewünscht, dass man sich zumindest für den ersten Teil einem Tourguide anschließt. Beide Stätten lohnen sich für einen Tagesausflug. Man lernt viel über die Geschichte des Menschen und auch über die Hominiden, sprich die Vorfahren der Menschen. Von diesen gibt es unglaublich viele Skelette im Gebiet der Wiege der Menschheit. Die berühmtesten, die hier gefunden wurden, sind Mrs. Ples (Sterkfontein Caves) und das Taung Child (Taung). Seit kurzem hat sich Little Foot hinzugesellt, da er erst Anfang diesen Jahres vollständig aus den Sterkfontein Caves ausgegraben werden konnte.

Der Eingang der Sterkfontein Caves In den Sterkfontein Höhlen

Am Abend hieß es dann zum letzten Mal die Rucksäcke packen, überflüssiges Informationsmaterial entsorgen, Souvenirs und Essen verteilen. Es ist schon beeindruckend, wie man viereinhalb Monate einfach in einen Rucksack packen kann. Ein wenig seltsam fühlte ich mich schon bei dem Gedanken, dass ich wieder nach Deutschland fliege.

Das wurde auch am nächsten Tag nicht besser als wir uns zum Flughafen nach Johannesburg begeben haben. Das Abgeben unseres Autos bei Thrifty war kein Problem. Wir hatten irgendwie damit gerechnet, dass wir zwecks des neuen Reservereifens noch ein bisschen diskutieren müssten. Es ging jedoch alles problemlos über die Bühne. Nun ja, wer weiß, was eventuell im Nachgang noch kommt, aber für den Augenblick brauchen wir uns keine Sorgen mehr machen. Wir sind auch unsere Kühlbox und die Kühlakkus an eine gerade angekommene kleine Reisegruppe losgeworden. Was hätten wir auch damit im Flugzeug machen sollen? Socken kühlen? ;)

Danach musste ich mich ziemlich bald von meinem Bruder verabschieden, weil er einen Flieger hatte, der etwa fünf Stunden vor meinem abflog. Nach zwei Monaten, die wir auf engstem Raum verbracht haben, war das schon ein bisschen seltsam. Ich gebe zu, ich habe nicht erwartet, dass es so reibungslos funktionieren würde, wie es letztlich tat. Trotzdem habe ich mich sehr über Gesellschaft auf der Hälfte meiner kleinen Weltreise gefreut. Sich jetzt wieder in unterschiedliche Länder nach Hause zu begeben, erzeugte ein flaues Gefühl in meiner Magengegend.

Nun ja, nachdem ich behaupten kann, den Johannesburger Flughafen in und auswendig zu kennen, hatte ich zum Schluss sogar wieder Gesellschaft. Aus unerfindlichen Gründen hatte sich einer, der Umfragen zu Südafrika durchführt, für mich als Opfer entschieden. Ich hatte also die nächste Stunde damit zu tun, eine ganz schön umfassende Palette an Fragen zu beantworten. Es war aber eine nette Ablenkung.

Wenn ich also jetzt in den Flieger steige, der mich wieder zurück nach Hause bringen wird (ein A380!), dann bin ich mir nicht ganz sicher, was mich dort erwartet. Ich glaube aber, dass das ein ganz normales Gefühl ist. :)

Ausblick auf die Wiege der Menschheit

13August
2013

Eine Reise geht zu Ende

Nächtliches Panorama in meiner Wunderschönen Heimatstadt

Ein bisschen Statistik:

138 Tage (Für alle, die sich jetzt wundern: Es waren von vornherein nur 139 und durch die Überquerung der Datumsgrenze habe ich einen weiteren Tag verloren. „In 140 Tagen um die Welt“ klang einfach besser. ;) ), 8 Länder, 20 Flüge, 6 Mietautos, knapp 10.000 Kilometer im Auto, etwa 2 Tage reine Reisezeit in Bussen, 4 Mehrtageswanderungen, mehrere hundert Kilometer zu Fuß, 70 verschiedene Unterkünfte (ich zähle das Wohnmobil als eins).

Das ist eine kleine Zusammenfassung einer Weltreise. Einer kleinen, wohlgemerkt, da ich ja nur schlappe viereinhalb Monate unterwegs war. Mit meinem straffen Zeitplan bin ich des öfteren auch mal belächelt worden. Der ein oder andere Rucksacktourist hat diese Zeitspanne in einem Land verbracht oder aber zumindest auf einem Kontinent. Nun ja, ich habe nie behauptet, dass ich mir die einfachste Version ausgesucht habe, aber Fakt ist, dass ich es jederzeit wieder genauso machen würde. Ja, ich hoffe aus meinem kleinen Kapitel „Pleiten, Pech und Pannen“ am Anfang gelernt zu haben und so etwas vermeiden zu können, aber ansonsten würde ich nichts ändern wollen. Vielleicht wenige Details, aber das Gesamtbild bleibt.

Ich bin froh, diese Reise angetreten zu haben. Ich habe viele Leute kennen gelernt, viele wunderschöne Orte dieser Welt gesehen und ein bisschen Freiheit und Grenzenlosigkeit geschnuppert. Wenn ich vorher schon reisebegeistert war, so ist es durch meine ganzen Erfahrungen nicht weniger sondern eher noch mehr geworden. Für einige Sachen würde ich mir mehr Zeit nehmen, andere überspringen, aber letztlich macht es ungemein Spaß, unabhängig durch die Welt zu ziehen und das zu tun, was man selbst möchte. Es gibt keinen vorgeschriebenen Plan, keine Pauschalreise, keine 52-Mann-starke Busreisegruppe. Ja, das bedeutet Aufwand, denn man muss selbst herausfinden, was man tun und was man gesehen haben möchte. Zum Glück gibt es viele Reiseführer in den Buchhandlungen und das Internet für die Suche. Viel interessanter sind jedoch die Dinge, über die andere Reisende berichten, Tipps, die sie geben, und Ideen, die sie einem in den Kopf setzen können. Spontanität ist sicherlich wichtig, aber nicht notwendig, wie ich anhand von Australien lernen konnte. Südafrika war ja das genaue Gegenteil, was aber auch nicht verkehrt war.

Wenn mich jemand fragt, wo ich noch einmal hin reisen möchte, so sage ich „überall“. Gut, auf Panama Stadt und Neukaledonien kann ich leicht verzichten, aber alle anderen Länder halten noch so viele Wunder bereit, dass ich keine Einwände hätte, sie nochmals zu besuchen. Wenn ich wählen müsste, wäre Neuseeland Wunsch Nummer Eins, dicht gefolgt von Kolumbien. Warum? Einfach weil beide Länder noch so viele landschaftliche Sehenswürdigkeiten haben, dass ich sie wirklich gern sehen würde. Problematisch wird das Ganze nur, wenn man bedenkt, wie viele Länder diese Welt noch hat. :)

Eines davon ist bekanntlich Deutschland und dahin hat es mich jetzt verschlagen. Mein Rückflug kam nicht unerwartet, aber die Ankunft war trotzdem unwirklich. Zum einen hat es mich wirklich fertig gemacht nach zehn Stunden Flug um 5 Uhr morgens gesagt zu bekommen, dass es in Frankfurt schon 26°C seien und die Tagestemperatur irgendwo knapp unter 40°C liegen sollte. Ich hatte also innerhalb kürzester Zeit ein T-Shirt, eine kurze Hose und meine Sandaletten an (man beachte, in Südafrika war es mittlerweile tiefster Winter, also verdammt kalt). Zum anderen sprachen nun wirklich fast alle Personen um mich herum Deutsch. Nach über vier Monaten in Ländern, deren Amtssprache alles andere als Deutsch ist, wird es auch nicht leichter, wenn man zwei davon mit seinem Bruder gereist ist. Man denkt eher in Englisch (in Südamerika Spanisch) und geht automatisch davon aus, dass einen die Umstehenden nicht verstehen können. Nun ja, es ist nicht das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe und mehr als ein paar denkwürdige Stilblüten (Denglisch hallo!) bleiben später meist nicht im Gedächtnis.

Nach einer wirklich entspannten Zugfahrt wurde ich am Bahnhof von meinen Eltern in Empfang genommen. Ich habe mich wahnsinnig gefreut, sie wieder zu sehen. Ähnlich war es mit meinen Großeltern und anderen Verwandten sowie Freunden und Bekannten im Verlaufe der nächsten Tage. Mit ihnen allen hatte ich maximal per Skype oder E-Mail Kontakt.

Ich habe mein Zimmer bei meinen Eltern zu Hause wieder bezogen und festgestellt, dass es ein bisschen seltsam ist, sich dauerhaft "niederzulassen". Vorher habe ich spätestens alle zwei Tage den Ort gewechselt (Ausnahmen bestätigten hier die Regel), alle meine Habseligkeiten wieder eingepackt und ein neues Bett irgendwo anders gesucht. Jetzt konnte ich mich in mein eigenes Bett kuscheln und musste nicht wieder am Abend zusehen, dass alles abreisefertig war. Schon irgendwie eine tolle Angelegenheit.

Mein Kleiderschrank hat mich rettungslos überfordert. Ich habe eine sehr lange Zeit mit einer Hand voll Klamotten gelebt (von denen die Hälfte mittlerweile Bekanntschaft mit der Mülltonne geschlossen hat). Ich wusste, was ich wo in meinem Rucksack hatte, was ich irgendwann einmal waschen musste und somit war meine Auswahl sehr begrenzt. Jetzt stand ich vor einem richtigen Kleiderschrank mit für mich unbegreiflich vielen T-Shirts, Hosen, Röcken (Wahnsinn! So etwas habe ich?) und und und. So albern es klingt: Es ist mir sehr schwer gefallen, mir da etwas herauszusuchen.

Das war nicht das Einzige, was den Anfang irgendwie seltsam gemacht hat. Wenn man immer unterwegs ist, von einem Abenteuer zum nächsten, dann ist Stillstand ungewohnt bis zu einem Grad, dass man nicht so recht weiß, was man mit sich anfangen soll. Ja, Sachen waschen, Souvenirs verschenken, sich mit Familie und Freunden treffen, aber sonst? Wie soll es weitergehen? Hat man eine Vorstellung davon, wo man hin will?

Ich gebe gern zu, dass ich über eine Woche gebraucht habe, bis ich langsam an dem Punkt war, dass ich einen groben Plan hatte, was ich akut tun wollte und musste.

In dieser ersten Woche hatte ich natürlich mit der Hitze zu kämpfen (irgendwie kann man sich seine Haut nicht ausziehen...). Das war trotz allem kein Grund in den eiskalten Baggersee zum Abkühlen zu springen. Das haben alle anderen getan, während ich einfach nur bis über's Knie im frostigen Wasser stand. :)

Ich hatte auch mit dem normalen Straßenverkehr meine Probleme. Ein paar Tage bin ich nicht gefahren, da ich nicht wusste, ob das eine so gute Idee wäre. Für mich fuhren alle Autos auf der falschen Straßenseite. Ich saß dann letztlich auch auf der falschen Seite im Auto um selbst zu fahren und der Schalthebel war auch irgendwie nicht da, wo er hingehörte (ein verräterischer Fensterheber hatte dort Stellung bezogen). Blinker und Scheibenwischer waren natürlich auch vertauscht, was zu einigen hektischen Scheibenwischbewegungen auf trockener Windschutzscheibe geführt hat. Schlimm waren Parkplätze, weil ich hier ganz leicht auf der linken Seite fahren konnte... Abgesehen davon hätte ich in einigen Situation als Beifahrer gern "Vorsicht!" gerufen, auch wenn alles in Ordnung war. Mein von drei Monaten auf der linken Straßenseite geprägtes Gehirn sah das halt nur ein bisschen anders.

Mittlerweile geht aber auch das. Mein Kleiderschrank schüchtert mich auch nicht mehr ein und ich denke, dass ich mich wieder halbwegs an den Alltag zu Hause gewöhnt habe. Ich weiß, dass mein Bruder gar keine Wahl hatte als sofort wieder im Leben anzukommen. Bei ihm ging zwei Tage nach unserer Ankunft die Arbeit wieder los. Er scheint damit aber keine Probleme gehabt zu haben. :)

Was bleibt also noch zu sagen? Nicht viel. Ach ja, Thrifty hat sich bei uns mittlerweile auch zwecks des Ersatzreifens gemeldet. Wir durften tief in die Tasche greifen und das nicht nur für das neue Rad sondern auch für die Bearbeitung des Schadens. Nun ja, die ganze Aktion ist und bleibt ohne Worte.

Ansonsten kann ich jedem, der vom Reisen träumt, nur empfehlen, den Schritt einer großen Reise zu wagen, egal, ob allein oder nicht. Vorausgesetzt natürlich, man träumt von einer Weltreise. Die Erfahrungen, Begegnungen und Erlebnisse sind jeden Aufwand wert. Das ist jedenfalls meine Meinung. Wenn ich mich an all die Gespräche mit anderen Reisenden erinnere, so geht es offensichtlich auch den meisten so, wenn sie erst einmal die große Freiheit der Welt geschnuppert haben. :)

Für mich jedenfalls war es eine absolut tolle Erfahrung. Ich freue mich darauf, vielleicht irgendwann wieder eine Weltreise anzutreten. Bis dahin heißt es jedoch im normalen Leben Fuß zu fassen und zu schauen, was es dort zu entdecken gibt. ;)

In diesem Sinne möchte ich mich bei allen bedanken, die mich vor und während meiner Reise unterstützt haben, hier insbesondere meine Eltern und mein Bruder. Ich möchte auch meinen Dank an alle aussprechen, die es tatsächlich bis hierhin geschafft haben zu lesen. Da dieser Blog mehr oder weniger mein Reisetagebuch ist (nachdem das eigentliche in Kolumbien abhanden gekommen ist), ist er auch etwas ausführlicher geworden als anfänglich beabsichtigt. Mir hat es jedoch sehr viel Spaß gemacht, meine Erlebnisse und auch einige meiner vielen Fotos hier festzuhalten.

Also vielen Dank und vielleicht auf ein weiteres Mal! :)

KatarinaDie Welt in meiner Hand! :)